Restliche Blätterpilze

Cremegelber Laubholz-Helmling (Mycena olida)

 

 

Pilze kommen an den ausgefallensten Orten vor. So zeigte mir ein Weinbauer aus der näheren Umgebung (Gemeinde Keltern) Mitte November 2010 kleine, weißliche Pilze, die im Rindenmoos alter Weinstöcke wuchsen. In Bezug auf die Schädlichkeit der Pilze konnte ich ihn schnell beruhigen, denn auf den ersten Blick handelte es sich um Helmlinge, die sich nun mal saprobiontisch und nicht parasitisch ernähren.

 

Die Pilze wirkten im morgendlichen Raureif sehr ästhetisch. 

Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel

Mit Hilfe des englischsprachigen Mycena-Schlüssel des norwegischen Mykologen Arne Aronsen und viel Mikroskopie konnte ich die Art als Mycena olida bestimmen. Kurzfassung nach Aronsen, A. (2016):

 

„Ein ziemlich kleiner, elfenbeinfarbener Helmling, auf der mehr oder weniger bemoosten Rinde von Laubgehölzen wachsend, mit glatten Huthauthyphen, glatten Cheilozystiden und glatten, mehr oder weniger lappigen Caulozystiden.“

Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel

Fundbeschreibung:

Hut bis 15 mm breit, halbkugelig, kegelig oder angedeutet glockenförmig, oft mit Papille, trocken, glatt, schwach glänzend, bis zur Hälfte durchscheinend gerieft, elfenbeinweiß bis cremefarben, Scheibe bis hellocker gefärbt. Stiel bis 20 x 1,5 mm, oft verbogen, trocken, schwach glänzend, auf ganzer Länge durch Caulozystiden bereift (Lupe!), hutfarben, ohne Basalscheibchen, schwach wurzelnd, nicht milchend. Lamellen entferntstehend, bauchig, weißlich, Schneide glatt, gleichfarben mit der Fläche. Fleisch dünn, weißlich. Geschmack mild, geruchlos.

Eine seltene Art, die in den Roten Listen in der Vorwarnliste geführt wird.

 

Verwechslungsmöglichkeit:

Der Weißgelbe Helmling Mycena flavoalba sieht ähnlich aus, wächst allerdings auf Erde, besitzt Huthauthyphen mit fingerförmigen Ausstülpungen und kugelförmige Caulozystiden.

 

 

Weiterführende Literatur:

Aronsen, E. : Mycena Online Key: https://mycena.no/key1.htm

Aronsen, E.  & Lässöe (2016):  The genus Mycena s.l. Fungi of Northern Europe, Vol 5. – Svampetryk.

Ludwig, E. (2012): Pilzkompendium, Bd. 3, Nr. 116.54. – Fungicon-Verlag

Miggel, B. (2011): Mycena olida Bres., ein gelblichweißer Helmling, gefunden auf alten Rebstöcken. – Südwestdeutsche Pilzrundschau, 2011, Heft 2: 60-64.

 

 

Samtfußrübling (Flammulina velutipes)

 

 

Dass man prachtvolle Pilzfunde auch in der kalten Jahreszeit machen kann, beweist der Samtfußrübling. Er ist einer unserer typischen Winterpilze und wächst bei feuchter, nicht zu kalter Witterung, und zwar als Saprobiont, seltener als Wundparasit, an Laubhölzern, insbesondere Gehölzen der Auenlandschaften wie Weiden, Pappeln, Erlen, Eschen, Holunder etc., auch an Sträuchern, z.B. alten Besenginster-Büschen.
Die hier beschriebenen Funde stammen aus einem kleinen Feuchtgebiet, dem FND Kuhbrunnenwiesen bei Karlsbad:

B. Miggel
B. Miggel

Die Art ist recht leicht zu erkennen: Die Pilze wachsen meist zu mehreren büschelig auf dem Holz. Die Hüte besitzen eine leuchtend gelbe bis orange Farbe, und sie sind bei Feuchtigkeit stark klebrig. Die Stiele sind im oberen Bereich etwa hutfarben, zur Basis hin jedoch stets samtig schwarzbraun.

 

Alle Funde machte ich bei feuchter Witterung im FND Kuhbrunnenwiesen bei Karlsbad:

 

Zum einen in einem Salweidengebüsch, wo die Pilze an teilweise abgestorbenen Ästen fruktifizierten:

B. Miggel
B. Miggel

Zum anderen wuchsen die Pilze am Rand eines Grauweiden-Gebüschstreifens, wo einzelne Wurzelstränge von den Pilzen parasitiert wurden:

B. Miggel
B. Miggel

Braungrüner Rötling (Braungrüner Zärtling) – Entoloma incanum

 

Der Pilz wurde von G. Franke im Juli 2017 bei einer Wanderung am Hang des Eyachtales am Rand eines Weges gefunden. Das Grün des Pilzstieles unterscheidet sich kaum vom Grün des Frauenmantels, neben dem er steht. Der Hutdurchmesser beträgt in diesem Fall ca. 20 mm. Die Lamellen sind weißlich, später rosa bis braunrosa. Diese Art gehört zur vielgestaltigen Gattung der Rötlinge. Der Mykologe Erhard Ludwig vermutet in seinem großartigen Pilzkompendium 344 europäische Rötlingsarten, von denen er 176 in Wort und Bild beschreibt. Die hier gezeigte Art gehört aufgrund ihrer Zartheit zur Untergattung der Zärtlinge.

G. Franke
G. Franke

Stahlblauer Rötling (Entocybe nitida)

 

Diese Pilzart zeigte ich bei einer gemeinsamen Begehung am Rande eines Waldmoores bei Würzbach am 19.09.2017 G. Franke, der auch fotografierte. Die Hutoberfläche ist unauffällig von schmutzig braun-blau über braun-grau bis schwarz-braun. Er bevorzugt Mischwald oder Nadelwald und saure Böden und geht eine Mykorrhiza vorwiegend mit Nadelbäumen ein.
Die Lamellen der Rötlings verfärben sich im Verlauf des Pilzwachstums durch die reifenden Sporen bräunlich rosa. 

G. Franke
G. Franke

Mäuseschwanzrübling (Baeospora myosura)

 

Im Dezember 2018 fand G. Franke diese Art bei Karlsbad-Spielberg auf einem Kiefernzapfen. Der Hutdurchmesser betrug ca. 10 mm. Man findet den Mäuseschwanzrübling ganzjährig als Folgezersetzer an älteren Kiefern- oder Fichtenzapfen.
Die Gattung Baeospora enthält bei uns nur zwei Arten: in der kalten Jahreszeit findet man noch das an verrottendem Weißtannenhholz  wachsende Tausendblatt Baeospora myriadophylla.

G. Franke
G. Franke

Samtfußkrempling (Tapinella atrotomentosa)

 

Gefunden wurde diese Art von G. Franke am 21.08.2021 zwischen Karlsbad-Langensteinbach und Auerbach an einem Baumstubben am Waldwegrand. Der Hutdurchmesser betrug ca. 10 cm. Auffällig ist bei dieser Art der braune, samtige Stiel.

Die Art lebt als Saprobiont auf Nadelholzstümpfen, bekommt bis zu 20 cm breite Hüte und erzeugt im Substrat eine Braunfäule.

 

Interessant zu wissen: Das Fleisch dieses Pilzes läßt sich exzellent zum Färben von Wolle verwenden.

Gefunden wurde diese Art von G. Franke am 21.08.2021 zwischen Karlsbad-Langensteinbach und Auerbach an einem Baumstubben am Waldwegrand. Der Hutdurchmesser betrug ca. 10 cm. Auffällig ist bei dieser Art der braune, samtige Stiel.

Die Art lebt als Saprobiont auf Nadelholzstümpfen, bekommt bis zu 20 cm breite Hüte und erzeugt im Substrat eine Braunfäule.

 

Interessant zu wissen: Das Fleisch dieses Pilzes läßt sich exzellent zum Färben von Wolle verwenden.

G. Franke
G. Franke
G. Franke
G. Franke

Weitere Informationen sind zu finden unter:

 

Jahn, H. (1979): Pilze die an holz wachsen: Nr. 205. – Busse, Herfold.
https://www.123pilzsuche.de/daten/details/Samtfusskrempling.htm

Fliegenpilz (Amanita muscaria)

 

Die Pilze wurden von G. Franke am 18.10.2020 an einer Waldwegböschung (Mischwald) oberhalb der Diebswiesen zwischen Spielberg und Pfaffenrot gefunden. Diese giftige Art hat einen Ring und am unteren Stielende eine Knolle mit mehreren Warzengürteln. Die weißen Flocken auf dem Hut sind Überreste einer Hülle (Velum universale), welche den Pilz in sehr jungem Zustand schützend umschließt. Die Flocken sind manchmal nach starken Regen nicht mehr vorhanden.

Interessant zu wissen: Beim Fliegenpilz kann man die Huthaut tortenstückartig abziehen. Das darunter zum Vorschein kommende Hutfleisch ist gelb.

 

Der Fliegenpilz geht eine Mykorrhiza mit Birken oder auch mit Fichten ein.

Fliegenpilze an einer Waldwegböschung oberhalb der Diebswiesen (Foto: G. Franke)
Fliegenpilze an einer Waldwegböschung oberhalb der Diebswiesen (Foto: G. Franke)

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