Ritterlinge

Weißer Birkenritterling (Tricholoma stiparophyllum)

 

Heute möchte ich einen in allen Fruchtkörperteilen weißen Lamellenpilz vorstellen, den Weißen Birkenritterling, auch Gerippter Gasritterling genannt. Man findet ihn vorzugsweise unter Birken, mit denen er eine Mykorrhiza eingeht. Die gefundenen Exemplare wuchsen auf einer Böschung direkt neben einer Straße bei Birke und Salweide in Schiltach im Mittleren Schwarzwald.
Die Pilze können recht groß werden; das noch junge Exemplar auf dem oberen Foto ganz rechts besitzt bereits einen Stieldurchmesser von 22 mm. Nach der Fachliteratur kann der Hut bis zu 140 mm breit werden!

Der Weiße Birkenritterling ist in allen Fruchtkörperteilen rein weiß, allenfalls ist die Hutmitte leicht ocker.
Die Hutoberfläche ist glatt und bei Feuchtigkeit etwas klebrig, der Rand ist wellig und bei jungen Exemplaren eingerollt. Das Fleisch ist weiß, fest, brüchig und über den Lamellen dick. Der Geruch ist bei dieser Art unverkennbar: Der Pilz riecht unangenehm, er stinkt geradezu! Die Lamellen sind, wie es bei vielen Ritterlingsarten der Fall ist, ausgerandet angewachsen. Sie sind stark mit Lamelletten untermischt, in Stielnähe selten einmal gegabelt, die Schneiden sind glatt und von gleicher Farbe wie die Lamellenflächen. Das Basismyzel ist weiß, wie man es im Bild an den Stielbasen erkennen kann.

B. Miggel
B. Miggel

Interessanterweise wuchsen in unmittelbarer Nähe einige Fruchtkörper des Mehlräslings (Clitopilus prunulus). Im folgenden Bild sind es die drei flachhütigen Exemplare (2 x vorne rechts sowie 1 x hinten links grasüberwachsen) 

B. Miggel
B. Miggel

Verwechslungsmöglichkeiten:

Es existieren etliche, ähnlich aussehende, weiße Pilzarten, beispielsweise mehrere Ritterlingsarten. Außerdem existieren weiße Farbformen von Pilzen, die normalerweise nicht weiß sind. Als Beispiel seien hier die weiße Form des Seifenritterlings und des Grünen Knollenblätterpilzes genannt.

Meist muss man zur Unterscheidung zusätzlich das Mikroskop zu Hilfe nehmen!

 

Weiterführende Literatur:

http://tintling.com/pilzbuch/arten/t/Tricholoma_stiparophyllum.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Gerippter_Gas-Ritterling

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mehl-R%C3%A4sling

Unverschämter Ritterling (Tricholoma lascivum)

 

Im Oktober 2020 fand ein Pilzfreund in Schiltach auf einem alten Bahndamm unter Birke und Salweide eine größere Gruppe des Unverschämten Ritterlings. Fast alle Fruchtkörper besaßen einen Hutdurchmesser von bis zu 60 mm. Die Ausnahme bildete ein echtes Riesenexemplar mit 130 mm Durchmesser.
Das obere Bild zeigt eine kleine Gruppe am Standort. Im unteren Bild erkennt man eine typisches morphologisches Merkmal der Ritterlinge: Sie sind meist recht dickfleischig, und die Stiele vollfleischig, also nicht hohl.
Wenn man einen interessanten Pilzfund macht, sollte man erst einmal dem Lamellenbereich eine Geruchsprobe nehmen. Beim Unverschämten Ritterling strömt einem ein unangenehm leuchtgasartig Geruch mit schwacher Obstkomponente entgegen. Daher stammt wohl auch der Name. Es gibt noch mehrere andere unangenehm riechende Ritterlingsarten, so z.B. den Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum).

Sieht man einmal von den mikroskopischen Merkmalen ab, so erkennt man die Art an dem weißlichen bis cremefarbigen Hut mit hellbräunlicher Mitte, dem weißlichen, etwas bräunenden Stiel, den weißlichen Lamellen und dem weißen Fleisch – vor allem natürlich am typisch unangenehmen Geruch.

 

Wie alle Ritterlinge ist auch unsere Art ein Symbiont, und zwar dienen ihm Laubbäume als Mykorrhizapartner. Die Sporen sind mit ca. 6 x 4 µm recht klein.

B. Miggel
B. Miggel
B. Miggel - Schnittdarstellung
B. Miggel - Schnittdarstellung

Ähnliche Arten:

Der Lästige Ritterling (Tricholoma inamoenum) sieht ähnlich aus und riecht auch ähnlich unangenehm, pflegt jedoch eine Mykorrhiza mit Nadelbäumen. Außerdem sind seine Sporen mit etwa 7 x 4,5 µm etwas größer als die des Unverschämten Ritterlings.

 

 

Weiterführende Literatur:

https://de.wikipedia.org/wiki/Unversch%C3%A4mter_Ritterling

http://tintling.com/pilzbuch/arten/t/Tricholoma_lascivum.html

 

 

 

Schwarzschuppiger Ritterling (Tricholoma atrosquamosum)

 

Hier möchte ich den Schwarzschuppigen Ritterling vorstellen, eine Art mit dunkelbraun bis fast schwarz beschupptem Hut:
Mein Pilzfreund Hans Stern schickte mir im November 2020 ein Exsikkat zu und bat mich um eine Nachbestimmung. Er hatte die Fruchtkörper auf Lehmboden bei Fichten und Kiefern gefunden und als Tricholoma atrosquamosum bestimmt. Meine sorgfältige Nachbestimmung führte ebenfalls eindeutig zu Tricholoma atrosquamosum, dem Schwarzschuppigen Ritterling.

 

Hier der Fundort:

Fundort (H. Stern)
Fundort (H. Stern)

Gefunden wurden auf ca. 8 qm Fläche 12 Fruchtkörper aller Altersstufen mit bis zu 80 mm breitem Hut und bis zu 80 x 16 mm messendem Stiel.
Der Hut war trocken, stumpf gebuckelt, dicht dunkelgrau bis schwarz beschuppt, wobei die Schuppen nur an den ausgewachsenen Fruchtkörpern aufreißen, so dass der Hut junger Exemplare komplett schwarz wirkt. Die Schuppen sie sind anliegend bis leicht sparrig abstehend. 

H. Stern
H. Stern

Die Lamellen waren bis 12 mm breit und bis 0,7 mm dick, stark mit Lamelletten untermischt, quasi ungegabelt, die Schneide glatt bis grob schartig, ab und zu schwarz gepunktet, außerdem waren die Lamellen am Stiel ausgerandet angeheftet „Burggraben“. 

H. Stern
H. Stern

Der Stiel war weiß, längsadrig, seidig glänzend, glatt, zylindrisch oder zur Basis hin schwach keulig verdickt. Das Basalmyzel war rein weiß. Es wurden keinerlei Hut-, Lamellen, Stiel- und Fleisch-Verfärbungen beobachtet. 

H. Stern
H. Stern

Das Fleisch war weißlich bis grauweiß, im Hut dünnfleischig, im Stiel voll. Der Geruch war angenehm, irgendwie fruchtig; der Geschmack schwach nach Mehl oder durchgeschnittener Gurke. Die Farbe des ausgefallenen Sporenpulvers war reinweiß.

H. Stern
H. Stern

Der Schwarzschuppige Ritterling liebt anscheinend basenreiche, sogar kalkreiche Böden und geht eine Mykorrhiza sowohl mit Laub- als auch mit Nadelbäumen ein.

 

 

Verwechslungsmöglichkeiten:
Tricholoma basirubens, der Rosafüßige Erdritterling, besitzt einen meist keuligen Stiel, und er rötet oft deutlich an der Stielbasis; Basalmyzel weiß.

Tricholoma orirubens, der Rötende Erdritterling, rötet nach längerem Liegenlassen in den Lamellen; seine Stielbasis ist oftmals blaugrün gefleckt; das Basalmyzel ist gelblich.
Tricholoma pardinum, der sehr giftige Tigerritterling, ist größer und stämmiger und besitzt größere, anders geformte Schuppen.
Tricholoma squarrulosum, der Schuppenstielige Erdritterling, besitzt einen grauschuppigen Stiel und einen sparrig-schuppigen Hut; Basalmyzel weiß.
Tricholoma terreum, der Gemeine Erdritterling. Während die vorgenannten drei Arten und auch Tricholoma atrosquamosum irgendwie bitterlich oder nach Mehl schmecken und fruchtig oder nach Mehl riechen, ist Tricholoma terreum völlig mild und geruchlos. Außerdem verfärben sich weder Hut noch Stiel oder Lamellen. Das Basalmyzel ist weiß.

 

Weiterführende Literatur:

http://www.tintling.com/pilzbuch/arten/t/Tricholoma_atrosquamosum.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzschuppiger_Erd-Ritterling

 



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