Ritterlings- und Haarschleierlingsartige

Weißer Birkenritterling (Tricholoma stiparophyllum)

 

Heute möchte ich einen in allen Fruchtkörperteilen weißen Lamellenpilz vorstellen, den Weißen Birkenritterling, auch Gerippter Gasritterling genannt. Man findet ihn vorzugsweise unter Birken, mit denen er eine Mykorrhiza eingeht. Die gefundenen Exemplare wuchsen auf einer Böschung direkt neben einer Straße bei Birke und Salweide in Schiltach im Mittleren Schwarzwald.
Die Pilze können recht groß werden; das noch junge Exemplar auf dem oberen Foto ganz rechts besitzt bereits einen Stieldurchmesser von 22 mm. Nach der Fachliteratur kann der Hut bis zu 140 mm breit werden!

Der Weiße Birkenritterling ist in allen Fruchtkörperteilen rein weiß, allenfalls ist die Hutmitte leicht ocker.
Die Hutoberfläche ist glatt und bei Feuchtigkeit etwas klebrig, der Rand ist wellig und bei jungen Exemplaren eingerollt. Das Fleisch ist weiß, fest, brüchig und über den Lamellen dick. Der Geruch ist bei dieser Art unverkennbar: Der Pilz riecht unangenehm, er stinkt geradezu! Die Lamellen sind, wie es bei vielen Ritterlingsarten der Fall ist, ausgerandet angewachsen. Sie sind stark mit Lamelletten untermischt, in Stielnähe selten einmal gegabelt, die Schneiden sind glatt und von gleicher Farbe wie die Lamellenflächen. Das Basismyzel ist weiß, wie man es im Bild an den Stielbasen erkennen kann.

B. Miggel
B. Miggel

Interessanterweise wuchsen in unmittelbarer Nähe einige Fruchtkörper des Mehlräslings (Clitopilus prunulus). Im folgenden Bild sind es die drei flachhütigen Exemplare (2 x vorne rechts sowie 1 x hinten links grasüberwachsen) 

B. Miggel
B. Miggel

Verwechslungsmöglichkeiten:

Es existieren etliche, ähnlich aussehende, weiße Pilzarten, beispielsweise mehrere Ritterlingsarten. Außerdem existieren weiße Farbformen von Pilzen, die normalerweise nicht weiß sind. Als Beispiel seien hier die weiße Form des Seifenritterlings und des Grünen Knollenblätterpilzes genannt.

Meist muss man zur Unterscheidung zusätzlich das Mikroskop zu Hilfe nehmen!

 

Weiterführende Literatur:

http://tintling.com/pilzbuch/arten/t/Tricholoma_stiparophyllum.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Gerippter_Gas-Ritterling

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Mehl-R%C3%A4sling

Unverschämter Ritterling (Tricholoma lascivum)

 

Im Oktober 2020 fand ein Pilzfreund in Schiltach auf einem alten Bahndamm unter Birke und Salweide eine größere Gruppe des Unverschämten Ritterlings. Fast alle Fruchtkörper besaßen einen Hutdurchmesser von bis zu 60 mm. Die Ausnahme bildete ein echtes Riesenexemplar mit 130 mm Durchmesser.
Das obere Bild zeigt eine kleine Gruppe am Standort. Im unteren Bild erkennt man eine typisches morphologisches Merkmal der Ritterlinge: Sie sind meist recht dickfleischig, und die Stiele vollfleischig, also nicht hohl.
Wenn man einen interessanten Pilzfund macht, sollte man erst einmal dem Lamellenbereich eine Geruchsprobe nehmen. Beim Unverschämten Ritterling strömt einem ein unangenehm leuchtgasartig Geruch mit schwacher Obstkomponente entgegen. Daher stammt wohl auch der Name. Es gibt noch mehrere andere unangenehm riechende Ritterlingsarten, so z.B. den Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum).

Sieht man einmal von den mikroskopischen Merkmalen ab, so erkennt man die Art an dem weißlichen bis cremefarbigen Hut mit hellbräunlicher Mitte, dem weißlichen, etwas bräunenden Stiel, den weißlichen Lamellen und dem weißen Fleisch – vor allem natürlich am typisch unangenehmen Geruch.

 

Wie alle Ritterlinge ist auch unsere Art ein Symbiont, und zwar dienen ihm Laubbäume als Mykorrhizapartner. Die Sporen sind mit ca. 6 x 4 µm recht klein.

B. Miggel
B. Miggel
B. Miggel - Schnittdarstellung
B. Miggel - Schnittdarstellung

Ähnliche Arten:

Der Lästige Ritterling (Tricholoma inamoenum) sieht ähnlich aus und riecht auch ähnlich unangenehm, pflegt jedoch eine Mykorrhiza mit Nadelbäumen. Außerdem sind seine Sporen mit etwa 7 x 4,5 µm etwas größer als die des Unverschämten Ritterlings.

 

 

Weiterführende Literatur:

https://de.wikipedia.org/wiki/Unversch%C3%A4mter_Ritterling

http://tintling.com/pilzbuch/arten/t/Tricholoma_lascivum.html

 

 

 

Schwarzschuppiger Ritterling (Tricholoma atrosquamosum)

 

Hier möchte ich den Schwarzschuppigen Ritterling vorstellen, eine Art mit dunkelbraun bis fast schwarz beschupptem Hut:
Mein Pilzfreund Hans Stern schickte mir im November 2020 ein Exsikkat zu und bat mich um eine Nachbestimmung. Er hatte die Fruchtkörper auf Lehmboden bei Fichten und Kiefern gefunden und als Tricholoma atrosquamosum bestimmt. Meine sorgfältige Nachbestimmung führte ebenfalls eindeutig zu Tricholoma atrosquamosum, dem Schwarzschuppigen Ritterling.

 

Hier der Fundort:

Fundort (H. Stern)
Fundort (H. Stern)

Gefunden wurden auf ca. 8 qm Fläche 12 Fruchtkörper aller Altersstufen mit bis zu 80 mm breitem Hut und bis zu 80 x 16 mm messendem Stiel.
Der Hut war trocken, stumpf gebuckelt, dicht dunkelgrau bis schwarz beschuppt, wobei die Schuppen nur an den ausgewachsenen Fruchtkörpern aufreißen, so dass der Hut junger Exemplare komplett schwarz wirkt. Die Schuppen sie sind anliegend bis leicht sparrig abstehend. 

H. Stern
H. Stern

Die Lamellen waren bis 12 mm breit und bis 0,7 mm dick, stark mit Lamelletten untermischt, quasi ungegabelt, die Schneide glatt bis grob schartig, ab und zu schwarz gepunktet, außerdem waren die Lamellen am Stiel ausgerandet angeheftet „Burggraben“. 

H. Stern
H. Stern

Der Stiel war weiß, längsadrig, seidig glänzend, glatt, zylindrisch oder zur Basis hin schwach keulig verdickt. Das Basalmyzel war rein weiß. Es wurden keinerlei Hut-, Lamellen, Stiel- und Fleisch-Verfärbungen beobachtet. 

H. Stern
H. Stern

Das Fleisch war weißlich bis grauweiß, im Hut dünnfleischig, im Stiel voll. Der Geruch war angenehm, irgendwie fruchtig; der Geschmack schwach nach Mehl oder durchgeschnittener Gurke. Die Farbe des ausgefallenen Sporenpulvers war reinweiß.

H. Stern
H. Stern

Der Schwarzschuppige Ritterling liebt anscheinend basenreiche, sogar kalkreiche Böden und geht eine Mykorrhiza sowohl mit Laub- als auch mit Nadelbäumen ein.

 

 

Verwechslungsmöglichkeiten:
Tricholoma basirubens, der Rosafüßige Erdritterling, besitzt einen meist keuligen Stiel, und er rötet oft deutlich an der Stielbasis; Basalmyzel weiß.

Tricholoma orirubens, der Rötende Erdritterling, rötet nach längerem Liegenlassen in den Lamellen; seine Stielbasis ist oftmals blaugrün gefleckt; das Basalmyzel ist gelblich.
Tricholoma pardinum, der sehr giftige Tigerritterling, ist größer und stämmiger und besitzt größere, anders geformte Schuppen.
Tricholoma squarrulosum, der Schuppenstielige Erdritterling, besitzt einen grauschuppigen Stiel und einen sparrig-schuppigen Hut; Basalmyzel weiß.
Tricholoma terreum, der Gemeine Erdritterling. Während die vorgenannten drei Arten und auch Tricholoma atrosquamosum irgendwie bitterlich oder nach Mehl schmecken und fruchtig oder nach Mehl riechen, ist Tricholoma terreum völlig mild und geruchlos. Außerdem verfärben sich weder Hut noch Stiel oder Lamellen. Das Basalmyzel ist weiß.

 

Weiterführende Literatur:

http://www.tintling.com/pilzbuch/arten/t/Tricholoma_atrosquamosum.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzschuppiger_Erd-Ritterling

 



Purpurbrauner Schwefelritterling (Tricholoma bufonium)

 

Den Purpurbraunen Schwefelritterling trifft man in Bergnadelwäldern an, wo er eine Mykorrhiza mit Fichten eingeht. Zur Zeit (Mitte Oktober) treffe ich ihn in großer Zahl im Wald an der Schwanner Warte zwischen Fichten, Weißtannen und Rotbuchen an.
Die Art besitzt einen bis 6 cm breiten, trockenen, angedrückt schuppig-faserigen, purpurbrauner Hut,  schwefelgelbe Lamellen und weißliches bis schwefelgelbes Fleisch, einen schwefelgelben bis bräunlichen, längsfaserigen Stiel. Dem Pilz entströmt ein starker, unangenehmer Geruch.

Bild 1 – Drei Fruchtkörper am Fundort: feinschuppiger, purpurfarbener, außen hellerer Hut, schwefelgelber Stiel und schwefelgelbe Lamellen. (B. Miggel)
Bild 1 – Drei Fruchtkörper am Fundort: feinschuppiger, purpurfarbener, außen hellerer Hut, schwefelgelber Stiel und schwefelgelbe Lamellen. (B. Miggel)
Bild 2 - Fruchtkörper im Schnitt. Blick auf Stieloberfläche und Lamellen. Deutlich der schwefelgelbe bis bräunliche Stiel mit starker Längsfaserung. (B. Miggel)
Bild 2 - Fruchtkörper im Schnitt. Blick auf Stieloberfläche und Lamellen. Deutlich der schwefelgelbe bis bräunliche Stiel mit starker Längsfaserung. (B. Miggel)
Bild 3 - Blick auf die trockene Hutoberfläche und den schwefelgelben Lamellenbereich: Die Lamellen sind ungegabelt, jedoch stark mit Lamelletten untermischt. (B. Miggel)
Bild 3 - Blick auf die trockene Hutoberfläche und den schwefelgelben Lamellenbereich: Die Lamellen sind ungegabelt, jedoch stark mit Lamelletten untermischt. (B. Miggel)

Die Sporen sind hyalin, dünnwandig, lang ellipsoid bis lang mandelförmig. Die Werte:
L x B = 10,1-10,8 x 5,6-6,0 µm, Q = 1,77-1,88; V = 170-200 µm3
(Mit: L Länge, B Breite, Q = L/B Schlankheitsgrad, V Volumen).

Bild 4 - Sporen, präpariert im Wasser mit etwas Phloxin. (B. Miggel)
Bild 4 - Sporen, präpariert im Wasser mit etwas Phloxin. (B. Miggel)

Verwechslungsmöglichkeiten:
    • Der Schwefelritterling Tricholoma sulphureum hat einen schwefelgelben Hut und ist an Laubbäume gebunden. Ansonsten gleicht er unserer Art zu hundert Prozent.

Weiterführende Literatur:
    • BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (1991): Pilze der Schweiz Bd. 3: Nr. 414.
    • https://www.123pilzsuche.de/daten/details/ViolettSchwefelritterling.htm
    • https://www.pilz-baden.ch/galerie/wissenschaftlich/tricholoma-131/tricholoma_bufonium-368

Pappel-Schleimkopf (Cortinarius paracephalixus)

 

Der  Pappel–Schleimkopf fruktifiziert in unserem Garten alljährlich im Oktober unter einer großen Salweide, mit der er eine Mykorrhiza eingeht.

 

Es handelt sich um eine sehr seltene Haarschleierlingsart, die in der Roten Liste Baden-Württembergs (2005) mit R (extrem selten) geführt wird.

Bild 1 – Frisch gewachsene Fruchtlörper unter einer Salweide. Das junge, mittlere Exemplar zeigt zottiges, weißes Universalvelum am Stiel, das große rechts zottig-schuppige Universalvelumreste auf dem Hut. (B. Miggel)
Bild 1 – Frisch gewachsene Fruchtlörper unter einer Salweide. Das junge, mittlere Exemplar zeigt zottiges, weißes Universalvelum am Stiel, das große rechts zottig-schuppige Universalvelumreste auf dem Hut. (B. Miggel)

Die Untergattung Schleimköpfe (Phlegmacium), zu der auch der Pappel-Schleimkopf gehört, zeichnet sich durch Arten mit klebrigen bis schleimigen Hüten und trockenen Stielen aus.

 

Die Hüte unserer Art erreichen 15 cm im Durchmesser, bei feuchter Witterung klebrig-schleimig, anfangs oft weiß vom dicken Universalverlum, später gelbbraun, semmelgelb, semmelbraun, blassorange, orangebraun und stark glänzend. Der Geruch frischer Fruchtkörper ist parfümiert-erdig, bei Liegenlassen im Zimmer nach einigen Stunden sehr stark muffig, das ganze Zimmer riecht dann wie schimmelig. Auch am Standort kann man reife Exemplare aus zwei Metern Entfernung „wittern“.  Der Geschmack ist mild.

Die Untergattung Schleimköpfe (Phlegmacium), zu der auch der Pappel-Schleimkopf gehört, zeichnet sich durch Arten mit klebrigen bis schleimigen Hüten und trockenen Stielen aus.

 

Die Hüte unserer Art erreichen 15 cm im Durchmesser, bei feuchter Witterung klebrig-schleimig, anfangs oft weiß vom dicken Universalverlum, später gelbbraun, semmelgelb, semmelbraun, blassorange, orangebraun und stark glänzend. Der Geruch frischer Fruchtkörper ist parfümiert-erdig, bei Liegenlassen im Zimmer nach einigen Stunden sehr stark muffig, das ganze Zimmer riecht dann wie schimmelig. Auch am Standort kann man reife Exemplare aus zwei Metern Entfernung „wittern“.  Der Geschmack ist mild.

Bild 2 – Junge Exemplare von unten. Das weißseidige Universalvelum überzieht fast noch die gesamten Fruchtkörper. (B. Miggel)
Bild 2 – Junge Exemplare von unten. Das weißseidige Universalvelum überzieht fast noch die gesamten Fruchtkörper. (B. Miggel)

Die Lamellen sind breit, gedrängt, grobschartig, am Stiel sehr schmal angewachsen, hellgrau. Der Stiel ist schmalkeulig, etwas ausspitzend, mitunter „wurzelnd“, längsadrig, cremefarben und glänzend. Das Fleisch ist im Hut dick, weiß bis creme, im Schnitt, mit KOH oder NH4OH stark gilbend.

Bild 3 – Fruchtkörper im Schnitt. Die weiße Cortina spannt sich spinnwebartig vom Hutrand zum oberen Stieldrittel. (B. Miggel)
Bild 3 – Fruchtkörper im Schnitt. Die weiße Cortina spannt sich spinnwebartig vom Hutrand zum oberen Stieldrittel. (B. Miggel)

Angekratztes Fleisch gilbt zuerst, wird nach 3 Stunden braunrot, nach 24 Stunden schwarz, schwarzrot oder schwarzblau. Das Exsikkat wird an manchen Stellen grau, an anderen schwarzgrün schillernd.

Bild 4 – Angekratzter, liegengelassener Fruchtkörper. Nach Stunden sind die verletzten Stellen schwarzrot. (B. Miggel)
Bild 4 – Angekratzter, liegengelassener Fruchtkörper. Nach Stunden sind die verletzten Stellen schwarzrot. (B. Miggel)

Die Sporen sind groß, bräunlich, im Umriss mandelförmig und mittelstark warzig. Ihre Größe beträgt 13-14 x 8 µm.

Bild 5 – Lichtmikroskopische Aufnahme der im Umriss mandelförmigen Sporen (B. Miggel)
Bild 5 – Lichtmikroskopische Aufnahme der im Umriss mandelförmigen Sporen (B. Miggel)

Betrachtet man die Sporen unter dem Raster-Elektronenmikroskop, erweist sich ihre dreidimensionale Gestalt als „schiffchenförmig“ bzw. hohlkehlig. Bei der lichtmikroskopischen Aufnahme kann man diese Hohlkehligkeit bei der Spore rechts oben vermuten.

Bild 6 – REM-Aufnahme von Sporen mit ca. 11,5 µm Länge (St. Dillerl)
Bild 6 – REM-Aufnahme von Sporen mit ca. 11,5 µm Länge (St. Dillerl)

Für die REM-Aufnahme ein herzliches Dankeschön an Stefan Diller, Würzburg!

Weiterführende Literatur:

BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN F. (2000): Pilze der Schweiz Bd. 5.: Nr. 227.

BRANDRUD, T.E. et al. (1989-2014): Cortinarius, Flora Photographica I-V: Nr. D04.

LUDWIG, E. (2017): Pilzkompendium Bd. 4: Nr. 136.102, Tafel 915.

 

 

 

 

Blassfleischiger Fichtenritterling (Tricholoma pseudonictitans)

 

 

Die hier beschriebene Pilzart, der Blassfleischiger Fichtenritterling, geht eine Mykorrhiza mit Fichten ein. Den Fund machte ich Mitte Oktober 2021 im Moorrandwald des NSG Waldmoor-Torfstich bei Oberreichenbach, und zwar bei Fichten, Weißtannen, Kiefern und Rotbuchen.

Bild 1 - Der Fund: Bei feuchten Wetter sind die braunen Hüte dick verschleimt. Im Schnitt erkennt man das gelbliche Fleisch von Hut und Stielrinde. (B. Miggel)
Bild 1 - Der Fund: Bei feuchten Wetter sind die braunen Hüte dick verschleimt. Im Schnitt erkennt man das gelbliche Fleisch von Hut und Stielrinde. (B. Miggel)

Die Hüte sind fuchsig braun mit gelbbräunlichem Randbereich, sie sind  glatt, konvex oder stumpf gebuckelt, am Rand ungerieft und bei nassem Wetter sehr dick verschleimt. Sie erreichen bei den Funden einen Durchmesser von 60 mm. Die Stiele sind zylindrisch oder nach unten hin etwas verdickt und braun überfasert. Die Lamellen sind – wie bei vielen Ritterlingsarten – ausgebuchtet angewachsen ("Burggraben"), stark mit Lamelletten untermischt, doch nur selten gegabel. Das Fleisch von Hut und oberem Stielbereich ist gelblich. Es ist mild und schmeckt deutlich nach Mehl, und es riecht im frischen Anschnitt ebenfalls nach Mehl.

Bild 2 - Der Hut ist leicht gebuckelt, die Lamellen sind stark untermischt. (B. Miggel)
Bild 2 - Der Hut ist leicht gebuckelt, die Lamellen sind stark untermischt. (B. Miggel)

Die Sporen sind breit ellipsoid, glatt, hyalin und besitzen einem großen Tropfen.

Die Maße: L x B =  6,6-6,9 x 5,0-5,3 µm; Q = 1,29-1,35; V = 86-100 µm3
(mit L Länge, B Breite, Q Schlankheitsgrad = L/B, V Volumen)

Bild 3 - Die breit ellipsoiden Sporen; Präparat in Phloxin. (B. Miggel)
Bild 3 - Die breit ellipsoiden Sporen; Präparat in Phloxin. (B. Miggel)

Die oberste Schicht der Huthaut, die Epikutis, ist beim Blassfleischigen Fichtenritterling eine sehr dicke, schleimige Schicht aus mehr oder weniger liegenden Hyphen (eine Ixokutis). Darunter befindet sich eine dünnere Schicht verdichteter Hyphen, die Subkutis, ganz unten das Hutfleisch.

Bild 4 - Querschnitt der Hutdeckschicht; Tannin-Eisen-Toluidinblau-Färbung. (B. Miggel)
Bild 4 - Querschnitt der Hutdeckschicht; Tannin-Eisen-Toluidinblau-Färbung. (B. Miggel)

Verwechslungsmöglichkeiten:
    • Der Bittere Eichenritterling Tricholoma ustaloides besitzt eine abgesetzt weiße Stielspitze,
      und er schmeckt stark bitter. Er wächst vorzugsweise bei Eichen.

    • Der Brandige Ritterling Tricholoma ustale besitzt rein weißes Fleisch und Lamellen ohne
      Gelbton. Er pflegt eine Mykorrhiza mit Rotbuchen. Außerdem ist er bitter im Geschmack.

 


Weiterführende Literatur:
   
• BAS, C. et al. (1999): Flora Agaricina Neerlandica Vol. 4: 128-129.
    • LUDWIG, E. (2012): Pilzkompendium Bd. 3. Text: 830-831, Tafel: 674 Nr. 123.40.
    • KIBBY, G. (2017): The genus Tricholoma in Britain: 16, Fig. 49.
    • RIVA, A. (1988): Tricholoma (Fr.) Staude. Fungi Europaei 3: Nr. 57.

 

Dichtblättriger Rötelritterling (Lepista densifolia)

 

Im Spätherbst wächst im Walddistrikt „Schelmenbusch“ an der Schwanner Warte der Dichtblättrige Rötelritterling. Er bildet dort oft große Hexenringe. Man findet diesen Saprobionten sowohl in der Laub- als auch in der Nadelstreu. Begleitbäume sind dort Weißtannen, Fichten und Rotbuchen. Die Art ist in Deutschland recht selten; in der Roten Liste ist sie in der Rubrik D (Daten unzureichend) aufgeführt.

Die Hüte besitzen am Fundort Durchmesser von bis zu 12 cm, sind bei großen Exemplaren speckig glänzend, auch mit gelapptem Rand oder konzentrisch gezont, bei kleineren Exemplaren weiß bereift, wie gefirnisst. Die Lamellen sind am Stiel bogig herablaufend:

B. Miggel
B. Miggel

Der Hut im Detail – links die sehr dicht stehenden, hellbräunlichen Lamellen, rechts die weiße, wie gefirnisst aussehende Hutoberfläche:

B. Miggel
B. Miggel

Die Lamellen sind nicht mit dem Hutfleisch verwachsen, ein typisches Merkmal der Gattung der Rötelritterlinge. Hier wurde ein Lamellenbereich mit dem Fingernagel „weggeschoben“:

B. Miggel
B. Miggel

Der Geruch ist engenehm pilzig. Geschmack mild, etwas ranzig und zusammenziehend, später etwas im Hals kratzend.

 

 

 

Die Farbe des ausgefallenen Sporenstaubs ist bei unserer Art creme mit leichtem Rosastich.
Die Sporen sind bei dieser Art sehr klein, dünnwandig und hyalin. Sie sind nicht glatt, sondern feinwarzig-feinstachelig ornamentiert. Die Durchschnittswerte betragen etwa 4 x 3 µm.
Hier ein Präparat in 3-prozentiger Kalilauge, bei dem man die Warzen/Stacheln erahnen kann:

B. Miggel
B. Miggel

Verwechslungsmöglichkeiten:

    • Der Nebelgraue Trichterling (Nebelkappe), teilt Standort und Wachstumszeit und bildet
       ebenfalls große Hexenringe. Allerdings besitzt er nicht die wie gefirnisst wirkende Hutoberfläche,
       sondern ist im Allg. einheitlich grau gefärbt. Außerdem riecht er stark „parfümiert“, fast unangenehm
       süßlich.

    • Der Bleiweiße Firnistrichterling (Laubfreundtrichterling) sieht unserer Art zum Verwechseln ähnlich und wächst zudem zur gleichen Jahreszeit an vergleichbaren Standorten. Seine Sporen sind zwar etwa gleich groß, jedoch glattrandig. Außerdem sind seine Lamellen fest mit dem Hutfleisch verwachsen.

 

Weiterführende Literatur:
    • BREITENBACH, J. & KRÄNZLIN, F. (1990): Pilze der Schweiz Bd. 3: Nr. 242.

    • LUDWIG, E. (2001): Pilzkompendium Bd. 1: Nr. 40.6.
    • https://www.interhias.de/schwammerlseiten/bestimmungen/2014/tricholomataceae/fotoseiten/foto-125.html

 

 

Schwefelritterling (Tricholoma sulphureum)

 

Wer im Oktober oder Anfang Novenber unsere schönen Rotbuchenwälder durchstreift, wird sicher auch auf den Schwefelritterling stoßen. Bild 1 zeigt drei reife Fruchtkörper aus einer etwa 30 Exemplare umfassenden Gruppe mit relativ kleinen Fruchtkörpern. Ich fand die Fruchtkörper  Anfang November 2021 im Walddistrikt Oberer Wald, Gemeinde Straubenhardt unter Rotbuchen, mit denen er eine Mykorrhiza eingeht. In einigen Metern Entfernung auch Eichen.

Die Art ist unverkennbar durch folgende Merkmale:
     • immer trockener, konvexer, bis 100 mm breiter, schwefelgelber Hut,
     • schwefelgelbe Lamellen, schwefelgelbes Fleisch, schwefelgelber, längsfaseriger Stiel,
     • starker, unangenehmer Geruch. Geschmack nach Mehl und schwach bitter.
     • Vorkommen bei Laubbäumen, vorzugsweise Rotbuchen.

Bild 1 - Drei reife, allerdings rel. kleine Fruchtkörper am Fundort. Fruchtkörper schwefelgelb (B. Miggel)
Bild 1 - Drei reife, allerdings rel. kleine Fruchtkörper am Fundort. Fruchtkörper schwefelgelb (B. Miggel)
Bild 2 - Geschnittener Fruchtkörper. Hutfleisch gelb; Stiel enghohl, oben gelb, ansonsten gelbbraun (B. Miggel)
Bild 2 - Geschnittener Fruchtkörper. Hutfleisch gelb; Stiel enghohl, oben gelb, ansonsten gelbbraun (B. Miggel)
Bild 3 - links: Blick auf die trockene, gelbe Hutoberfläche; rechts auf die stark mit Lamelletten untermischen, selten gegabelten, gelben Lamellen (B. Miggel)
Bild 3 - links: Blick auf die trockene, gelbe Hutoberfläche; rechts auf die stark mit Lamelletten untermischen, selten gegabelten, gelben Lamellen (B. Miggel)
Bild 4 - Die Sporen sind meist mandelförmig. Präparat in GDS nach Clémençon (B. Miggel)
Bild 4 - Die Sporen sind meist mandelförmig. Präparat in GDS nach Clémençon (B. Miggel)

Die Sporen:

Beim Aufzeichnen der Häufigkeitsverteilungen von Länge, Breite, Schlankheitsgrad und Volumen ergab sich Überraschendes: Die Volumenverteilung (Bild 5) zeigte zwei Häufigkeitsmaxima ("Kamelhöcker"). Dies deutet auf zwei unterschiedliche Sporengröße-Klassen hin. Eine Literaturrecherche ergab, dass der Schwefelritterling 2- und 4-sporige Basidien besitzt. - Wobei die 2-sporigen Basidien die großen, die 4-sporigen Basidien die kleinen Sporen generieren.
Stellt man für die beiden Größenklassen je eine eigene Statistik auf, so erhält man:
Gruppe mit kleinen Sporen: Lav x Bav = 9,9-10,5 x 5,6-6,1 µm    Qav = 1,64-1,85     Vav = 170-200 µm3
Gruppe mit großen Sporen: Lav x Bav = 11,1-12,2 x 6,6-6,9 µm   Qav = 1,66-1,80     Vav = 250-310 µm3
Mit L Länge, B Breite, Q Schlankheitsgrad = L/B, V Volumen, av Average/Durchschnitt.

Bild 5 - Volumenverteilung (blaue Kurve) der Sporen. Es zeigt zwei Größenklassen (B. Miggel)
Bild 5 - Volumenverteilung (blaue Kurve) der Sporen. Es zeigt zwei Größenklassen (B. Miggel)

Weiterführende Literatur:
    • CHRISTENSEN, M., HEILMANN-CLAUSEN, J. (2013): The genus Tricholoma. Fungi of Northern Europe, Vol. 4: 194-197.
    • https://pilzbuch.pilzwelten.de/schwefelritterling/tricholoma-sulphureum.html
    • https://www.123pilzsuche.de/daten/details/Schwefelritterling.htm

Grünling (Tricholoma equestre)

 

Mitte November 2021 fand ich in einem Moorrandwald bei Oberreichenbach, zwischen Waldkiefern, Fichten und Weißtannen, einen einzelnen Fruchtkörper des Grünlings. Es handelt sich dabei um eine für Baden-Württemberg sehr seltene Pilzart, die eine Mykorrhiza mit Kiefern eingeht. Das stattliche Exemplar hatte einen Hutdurchmesser von 80 mm, der Stiel maß 90 x 20 mm.


Wir haben es mit einem kräftigen, stabilen Pilz zu tun. Der Hut wird bis zu 120 mm breit, ausgebreitet,oft leicht gebuckelt, mit eingerolltem Rand. Die Oberfläche ist glänzend und bei Feuchtigkeit schmierig-klebrig. Die Hutfarbe ist außen graulich gelb, zur Mitte hin mit bräunlichen Schuppen besetzt. Die Huthaut ist fast bis zum Zentrum dick abziehbar; das Fleisch darunter ist außen cremefarben, weiter innen graugelb.

Bild 1 - Fruchtkörper stehend und liegend, der liegende direkt am Fundort (B. Miggel)
Bild 1 - Fruchtkörper stehend und liegend, der liegende direkt am Fundort (B. Miggel)

Die Lamellen sind zitronengelb, stehen gedrängt, sind bis 10 mm breit und dünn. Sie sind stark mit Lamelletten untermischt, vereinzelt in Stielnähe gegabelt und am Stiel ausgebuchtet angewachsen ("Burggraben"). Der Stiel ist zylindrisch oder leicht keulig, seidig glänzend und in der Farbe der Lamellen. Die Stielspitze ist heller, etwa cremefarben. Das Fleisch ist cremeweiß, das Hutfleisch über dem Stiel dick, der Stiel vollfleischig. Geruch  und Geschmack deutlich nach Mehl/Gurke.

Bild 2 - Fruchtkörper im Längsschnitt (B. Miggel)
Bild 2 - Fruchtkörper im Längsschnitt (B. Miggel)
Bild 3 - Blick auf Hutoberfläche (links) und Lamellenbereich (rechts) (B. Miggel)
Bild 3 - Blick auf Hutoberfläche (links) und Lamellenbereich (rechts) (B. Miggel)

Das Sporenpulver ist weiß.
Die Sporen sind ellipsoid, hyalin, dünnwandig und glatt.

Eine Hochrechnung aus einer Stichprobe von 40 repräsentativen Sporen des Fundes ergab folgende Mittelwerte:

Lav x Bav = 7,2-7,4 x 4,3-4,4 µm     Qav = 1,63-1,73     Vav = 70-76 µm3
mit L Länge, B Breite, Q = L/B Schlankheitsgrad, V Volumen, av Average/Durchschnitt.

Bild 4 - Sporen in Wasser mit sehr wenig Phloxin (B. Miggel)
Bild 4 - Sporen in Wasser mit sehr wenig Phloxin (B. Miggel)

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