Täublinge

Purpurfarbener Heringstäubling

Russula graveolens fo. purpurata

 

 

Ein kleines Schmuckstück, dieser Täubling, mit seinem purpurrotem bis blutrotem Hut, seinen ebenmäßigen, blassen Lamellen und seinem gleichmäßigem weißem, mitunter rötlich überhauchtem Stiel.

 

Die Art fruktifiziert fast in jedem Jahr in meinem Hauswald, einem Orchideen-Buchenwald, direkt auf einem lehmigen Waldpfad (heller Standort) bei einer großen Eiche, mit der er eine Mykorrhiza eingeht. Das Myzel wächst nach der Waldstandortkarte Neuenbürg an der Grenze zwischen basischem und oberflächenversauertem Kalklehm. Das anstehendes Gestein ist Unterer Muschelkalk.

 

Wie alle Heringstäublingsarten riecht unsere Art nach Heringslake und schmeckt mild. Das allein genügt, um einen nicht zu alten Täubling im frischen Zustand als Heringstäubling zu identifizieren.

 

Der Hut ist meist bis 4 cm, maximal 6 cm breit, immer tiefrot, blutrot oder purpurrot mit schwarzrotem Zentrum, der Hutrand ist ungerieft.

 

 

Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel

Die Lamellen sind anfangs weiß und verfärben sich allmählich creme. Sie stehen etwas entfernt, so dass man ihrem Grund queradrige Verbindungen erkennt. Die Lamellen sind sehr gleichmäßig, die Schneide ist glatt und mit der Fläche gleichfarben. Untermischungen mit Lamelletten gibt es so gut wie nicht, ab und zu allerdings eine Galbelung in Stielnähe:

Russula torulosa

Gedrungener Täubling, Wolfstäubling

 

 

Im Spätherbst 2019 hatte ich das Glück, in meinem Pilz-Kartierungsgebiet NSG Essigberg bei Kelern den Gedrungenen Täubling Russula torulosa zu finden. Diese seltene Art wuchs an mehreren Stellen in der Wacholderheide und im umgebenden Waldgürtel an hellen, teilweise sonnenbeschienenen Plätzen. Es handelt es sich dort Muschelkalk-Böden, also um gut durchlässige, basenreiche, warme Böden. Am gleichen Standort findet man z.B. den Weinroten Kiefernreizker Lactarius sanguifluus und den Satansröhrling Boletus satanas. Der typische Wuchsort unserer Art ist, wenn man diese Funde zu Grunde legt, ein lichter Wald oder eine baumbestandendene Heidelandschaft mit warmen, gut durchlässigen, basenreichen Böden. Als Mykorrhizapartner ist die Kiefer anzusehen.

Der Standort: Waldgürtel einer Wacholderheide bei Kiefern, Rotbuchen und Elsbeeren (Foto: B. Miggel)
Der Standort: Waldgürtel einer Wacholderheide bei Kiefern, Rotbuchen und Elsbeeren (Foto: B. Miggel)

Bei Russula torulosa handelt es sich bei 8 cm Hutdurchmesser um eine mittelgroße Art. Die Hüte sind reif ausgebreitet und mittig leicht vertieft, matt glänzend, feucht etwas klebrig, ungezont, der Rand ungerieft. Von der Farbe her rotviolett, dabei etwas fleckig und mittig dunkler. Die Huthaut ist nur am Rand dünn abziehbar. Der Stiel ist zylindrisch bis leicht keulig, immer kürzer als der Hutdurchmesser, stämmig, längsadrig, etwa in der Farbe des Hutes, bei den gefundenen Exemplaren jedoch deutlich heller als dieser. Die Lamellen sind sehr gleichmäßig, dünn, am Rand zuweilen mit Lamelletten untermischt, in Stielnähe häufig gegabelt, hell cremefarben, am Rand etwas bauchig und am Stielansatz schwach herablaufend. Die Schneide ist gleichfarbig mit der Fläche und glattrandig. Das Fleisch ist fest, weißlich, etwas fruchtig riechend, deutlich scharf schmeckend, jedoch nicht brennend scharf

Foto: B. Miggel
Foto: B. Miggel
Blick auf die recht hellen, sehr gleichmäßigen, Lamellen. Man erkennt Elsbeer-Blätter und eine Buchecker. Farbreaktionen: Eisensulfat: rosa, Salmiakgeist: negativ  (B. Miggel)
Blick auf die recht hellen, sehr gleichmäßigen, Lamellen. Man erkennt Elsbeer-Blätter und eine Buchecker. Farbreaktionen: Eisensulfat: rosa, Salmiakgeist: negativ (B. Miggel)

Ausnahmsweise sollen einmal die Sporen gezeigt werden. Täublingssporen färbt man für das normale Lichtmikroskop mit Melzers-Reagenz an, um die warzig-gratig-teilnetzige Ornamentation zu sehen.

 

Bei unserer Art sind die Sporen ellipsoid und haben eine Größe von 8,1-8,5 x 6,6-6,8 µm:

B. Miggel
B. Miggel

Unter dem Rasterelektronenmikroskop sehen die Sporen so aus (ein herzliches Dankeschön an Stefan Hiller):

Duftender Zwergtäubling (Russula odorata)

 

Kleine Täublinge sind oft recht interessant. Ein Beispiel stellt der Duftende Zwergtäubling dar, den man in Parkanlagen oder auch auf Friedhöfen findet. Er wächst dort gerne im Halbschatten unter Eichen, mit denen er eine Mykorrhiza eingeht.Er ist eigentlich nicht selten, wird aber wohl oft übersehen.

 

Der abgebildete Fund stammt von 2012 vom Friedhof Straubenhardt-Feldrennach, wo etwa acht Exemplare unter einer alten Eiche wuchsen. Die Fruchtkörper waren nicht größer als 40 mm im Hutdurchmesser und besaßen eine helle, variierende Hutfarbe von creme, über graulich olivlich, schmutzig weißlich, blass ocker bis hellrosa. Die Lamellen waren hell gelblich und die Stiele weiß. Das linke Exemplar im Bild zeigt die ansprechendste Hutfärbung des gesamten Fundes. Die Fruchtkörper rochen recht intensiv fruchtig. Das ausgefallene Sporenpulver war dottergelb.

 

 

B. Miggel
B. Miggel

Verblassender Täubling (Russula exalbicans)

 

 

Es gibt etliche Mykorrhizapilzarten, die sich auf eine bestimmte Baum- under Strauchgattung spezialisiert haben. Ein Besispiel stellt der Verblassende Täubling dar, den man nur bei Birken findet. Der hier gezeigte Fund stammt von einer Wiese bei Keltern-Ellmindingen, im Abstand von bis zu zehn Schritten um zwei Weißbirken Betula pendula. Bei der großen Wucherung in 1 Meter Höhe handelt es sich um den Fruchtkörper des Schiefen Schillerporlings Inonotus obliquus im imperfekten Stadium:

Standort (B. Miggel)
Standort (B. Miggel)

Der Verblassende Täubling besitzt einen cremefarbenen bis fleischrosa, bei den beobachteten Exemplaren bis 90 mm breiten, klebrigen, glänzenden Hut, creme- bis ockerfarbene Lamellen und einen, mitunter rosa überhauchten Stiel, der im reifen Zustand zum Grauen neigt. Der Geruch dieses Täublings ist ganz schwach obstartig.

 

 

Die beiden nächsten Bilder zeigen zuerst eine Gruppe jüngerer Fruchtkörper, dann eine Gruppe älterer Exemplare, z.T. mit angegrautem Stiel, wobei der Stiel des rechten Exemplars Rotanteile besitzt:

B. Miggel
B. Miggel
B. Miggel
B. Miggel

Das folgende Bild zeigt die Struktur der Lamellen. Sie sind zum einen stark untermischt, d.h. es existieren viele Lamelletten (verkürzte Lamellen). Außerdem gibt es vereinzelte Gabelungen, die vor allem in Stielnähe auftreten. Die Lamellendichte beträgt bei diesem Exemplar ca. 10 Lamellen pro 1 cm (inklusive Lamelletten, abgezählt am Hutrand): 

B. Miggel
B. Miggel

Zum Schluss ein 20 µm dicker Querschnitt durch die Huthaut. Man erkennt ganz oben eine fast hyphengreie Schleimschicht (1), darauf folgt eine Lage verschleimter Hyphen (2), darunter eine unverschleimte Hyphenlage (3) und ganz unten beginnen die sogen. Sphärozystennester (4). Letzteres sind „Nester“ kugelförmiger oder isodiametrischer Zellen, auf die die starke Brüchigkeit der Täublings-Fruchtkörper zurpückzuführen ist:

B. Miggel
B. Miggel

Verwechslungsmöglichkeit:

 

Der Verschiedenfarbige Täubling Russula versicolor, sieht recht ähnlich aus, bleibt jedoch mit maximalem Hutdurchmesser von 55 mm deutlich kleiner. Außerdem neigt sein Stiel nicht zum Grauen, sondern gilbt fast immer. Weiterhin sind nie Rottöne am Stiel zu beobachten.

 

 

Weiterführende Literatur:

 

EINHELLINGER, A. (1985): Die Gattung Russula in Bayern. - Hoppea, Denkschr. der  Regensburgischen Bot. Ges. Bd. 43

MARXMÜLLER, H. (2014): Russularum Icones: 340-343. - Anatis-Verlag

 

MICHAEL, E., HENNIG, B. KREISEL, H. (1983): Handbuch für Pilzfreunde Band V: Nr. 109

Kratzender Kammtäubling (Russula pectinatoides)

 

Hier möchte ich den Kratzenden Kammtäubling vorstellen, eine mittelgroße, nicht seltene, weit verbreitete Täublingsart lichter Wälder, Wegränder, Parkanlagen, Gärten, Friedhöfe. Sie geht dort eine Mykorrhiza mit Laubbäumen, wie Rotbuche, Eiche, Hainbuche, Linde, aber auch mit Nadelbäumen, wie Kiefer, Fichte, ein. Insbesondere Eichen in Parkanlagen haben es ihr angetan.

 

Der hier beschriebene Fund wurde Mitte August 2011 in Alpirsbach/Schwarzwald  in einem Garten im Halbschatten bei Hainbuche, Birke, Ahorn, Esche, Kirsche und Fichte gemacht.

 

Der Geschmack war irgendwie unangenehm und bitterlich, der Geruch etwas fischig.

B. Miggel
B. Miggel

Der Hut dieser Art ist meist hell bis dunkel graubraun, teilweise mit dunklerer Mitte. Er gehört zur Gruppe der Kammtäublinge, d.h. der Hut ist bei Feuchtigkeit schleimig und stets am Rand höckrig gerieft:

B. Miggel
B. Miggel

Ein wichtiges Kennzeichen ist bei unserer Art der im jungen Zustand  reinweiße und bei dem einen oder anderen Exemplar ganz unten rostfleckige Stiel. Mit Kalilauge gibt es an der Stielbasis keine Farbreaktion.

 

B. Miggel
B. Miggel

Verwechslungsmöglichkeiten:

Der Milde Kammtäubling Russula insignis teilt den gleichen Standort und sieht auf den ersten Blick genauso aus wie die hier beschriebene Art, schmeckt jedoch absolut mild (wenn auch nicht gerade angenehm), besitzt stets eine gelbliche Stielbasis, die mit Kalilauge feuerorange reagiert.

 

 

Weiterführende Literatur:

https://fundkorb.de/pilze/russula-pectinatoides-kratzender-kammt%C3%A4ubling
https://www.123pilzsuche.de/daten/details/KratzenderKammtaeubling.htm
KRÄNZLIN, F. (2005): Pilze der Schweiz. Band 6. Russulaceae: Nr. 179.

 

SCHWÖBEL, H. (1974): Die Täublinge – Beiträge zu ihrer Kenntnis und Verbreitung (III). Z. Pilzkd. 40: 145-158.

Milder Kammtäubling (Russula insignis)

B. Miggel
B. Miggel

Im Herbst 2012 fand ich Nähe Sportplatz Karlsbad-Ittersbach am Waldrand, unbeschattet, bei Rotbuchen, Eichen und Hainbuchen ca. zehn bräunlichgraue Täublinge mittlerer Größe. Der Boden besteht dort aus Lößlehm und reagiert „physiologisch neutral“, d.h besitzt einen pH-Wert von etwa 6. Es handelte sich um den Milden Kammtäubling.

 

B. Miggel
B. Miggel

Hüte bis maximal 62 mm im Durchmesser, bräunlichgrau, schwach speckig glänzend, feucht oder jung: klebrig. Mitte bei einigen Exemplaren dunkler, Rand auf  10 mm durchscheinend und etwas höckrig gerieft. Huthaut 1/3 bis 1/2 des Radius abziehbar, darunter weiß. Lamellen blass, gedrängt, in Stielnähe vielfach gegabelt, kaum einmal mit Lamelletten untermischt. Stiele bis 35x15 mm, weißlich mit gelblicher Basis. Das Gelbe zog sich bei einigen Exemplaren bis zur Stielmitte. Fleisch weiß, bei ausgewachsenen Fruchtkörpern im Stiel gekammert. Geruch seltsam, etwa fischig wie der des Gemeine Weißtäublings Russula delica. Er erinnerte schwach an den des Stinktäublings Russula foetens oder an ein altes Fischgeschäft, außerdem war ein fruchtiger oder gebäckartiger Beigeruch vorhanden.

Geschmack mild und so bleibend, aber in etwa so wie der Geruch, d.h. nicht sehr angenehm.

KOH-Reaktion an der Stielbasis: auffallend braunrot und lange so bleibend, am Hutrand bei ausgewachsenen Exemplaren ohne Verfärbung, bei ganz jungen Exemplaren braunrot.

Der Milde Kammtäubling ist nicht selten und weit verbreitet.

 

Gut zu wissen:

Es gib noch zwei andere Täublingsarten, die eine gelbliche Stielbasis mit roter KOH-Reaktion besitzen: Das sind der Ockertäubling Russula ochroleuca und der Lederstieltäubling Russula viscida.

 

Ähnliche Art:

Der Kratzende Kammtäubling Russula pectinatoides sieht ähnlich aus und besitzt den gleichen, hellen Standort bei Laubbäumen. Allerdings ist er nicht mild im Geschmack, sondern leicht scharf und im Hals kratzend. Sein Stiel besitzt keine gelblichen, sich mit KOH rot verfärbenden Bereiche, sondern ist reinweiß mit ab und zu an der Basis kupferroten Flecken.

 

Weiterführende Literatur:

https://fundkorb.de/pilze/russula-insignis-milder-kammt%C3%A4ubling
https://de.wikipedia.org/wiki/Milder_Kamm-T%C3%A4ubling
KRÄNZLIN, F. (2005): Pilze der Schweiz. Band 6. Russulaceae: Nr. 147.

 

SCHWÖBEL, H. (1974): Die Täublinge – Beiträge zu ihrer Kenntnis und Verbreitung (III). Z. Pilzkd. 40: 145-158.

Ockertäubling (Russula ochroleuca)

 

Der Ockertäubling ist eine häufige Täublingsart mit ockerfarbenem Hut, weißen Lamellen, weißem, basal oft gelblichem, im Alter grauenden Stiel und weißem Fleisch. Er ist geruchlos und schmeckt mild bis leicht scharf. Er bevorzugt saure Böden und geht eine Mykorrhiza mit Laub- und Nadelbäumen ein.

Die ersten beiden Bilder zeigen Fruchtkörper am Fundort, zwischen Schönem Kranzmoos, Torfmoos, Frauenhaarmoos und Etagenmoos. Anhaftende Pflanzenteile lassen vermuten, dass der Hut, zumindest bei feuchter Witterung, klebrig ist.

B. Miggel
B. Miggel
B. Miggel
B. Miggel

Das folgende Bild zeigt die weißen Lamellen und das weiße Stielfleisch. Die Lamellen sind relativ gleichmäßig, vielfach in Stielnähe gegabelt, ab und zu auch mit Lamelletten untermischt.

B. Miggel
B. Miggel

Verwechslungsmöglichkeiten:

  • Im Moor unter Birken findet man den Gelben Graustieltäubling Russula claroflava. Dieser besitzt einen kanariengelben Hut, einen reinweißen Stiel und einen bei Verletzung stark grauenden Fruchtkörper. Er ist im Geschmack stets völlig mild.
  • Der bei Rotbuchen wachsende Gallentäubling Russula fellea sieht ähnlich aus. Allerdings ist sein gesamter Fruchtkörper hell gelblich gefärbt, und er riecht obstig und schmeckt fürchterlich scharf.

 


Weiterführende Literatur:

https://fundkorb.de/pilze/russula-ochroleuca-ockert%C3%A4ubling
Einhellinger, A.
(1985): Die Gattung Russula in Bayern. - Hoppea, Denkschr. der  Regensburgischen Bot. Ges. Bd. 43
Marxmüller, H. (2014): Russularum Icones: 240-243. - Anatis-Verlag
Michael, E. Hennig, B. & Kreisel, H. (1983): Handbuch für Pilzfreunde Band V: Nr. 82

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