Naturnaher Garten

(Fotos: G. Franke)

Wildblumenwiese im naturnahen Garten (G. Franke)
Wildblumenwiese im naturnahen Garten (G. Franke)

„Gärten erfüllen neben sozialen und ökonomischen auch ökologische Funktionen. Sie stellen wichtige Rückzugsräume für Pflanzen und Tiere dar, vorausgesetzt, sie werden nachhaltig bewirtschaftet und gepflegt, und sind möglichst vielfältig gestaltet. Je abwechslungsreicher und größer ihre Fläche und je mehr sie mit benachbarten Grünflächen vernetzt sind, desto besser wirken sie auch als Trittsteine im Biotopverbund. Dieser ermöglicht, dass Tiere zwischen Biotopen wandern und Nahrungsknappheit oder Lebensraumstörungen ausweichen können. Viele Vogelarten etwa nutzen das Nahrungsangebot in unseren Gärten, vor allem Insekten und Samen. Daneben haben Gärten auch eine positive Wirkung auf das Kleinklima, den Wasserhaushalt und die Bodenneubildung.“(nabu)

Wichtige Informationen und Tipps finden Sie – hier in diesen Videos

Der NABU erklärt in einem Video und Textpassagen, wie man im Garten eine Blühfläche anlegt, die dann auch viele Blütenbesucher anlockt

Beim Anlegen eines naturnahen Gartens müssen meist Kompromisse gefunden werden zwischen Wünschen sowie Vorstellungen einerseits und Gegebenheiten und Anforderungen andererseits. Wenn wir eine Erholungsoase schaffen wollen, in der es summt, brummt und zwitschert und wir viele Naturbeobachtungen vornehmen können sowie Artenvielfalt schaffen, gibt es einiges zu beachten.

Dazu werden häufig Fragen gestellt, die folgend wiedergegeben und beantwortet werden.

 

Wie sollte ein naturnaher Garten aussehen?

 

Er sollte sich in die Landschaft einfügen und reich strukturiert sein – Saum bzw. Begrenzung durch heimische Sträucher, Bäume und Hecken; wilde Ecken mit Reisighaufen, Totholz und Steinhaufen; ein Gartenteich, wenn es der Platz zulässt, neben Nutzrasen eine Wildblumenwiese bzw. Blühfläche, ein Nutzgarten mit Obst und Gemüse, wilde Ecken z.B. neben dem Komposthaufen oder dem Gartenteich mit Brennesseln, Wilder Möhre, Disteln, Wiesen-Bärenklau, Wegwarte, Wiesen-Schafgarbe usw. sowie Nistkästen für Vögel und Nisthilfen für Insekten. Am Rand sollte auch ein Komposthaufen vorgesehen werden. Es bietet sich auch an, die Gartenwege vielseitig mit unbehandelten Naturmaterialien zu gestalten (Steinplatten, verlegt mit breiten Fugen, in denen trittfeste, niedrige Pflanzen wachsen (z.B. Thymian, Sedumarten, Römische Kamille, Sternmoos), Belag mit Sand, Kies oder Splitt oder Belag mit Holzschnitzeln. Als Wegbegrenzung bieten sich z.B. Aststücke mit größerem Durchmesser an oder Natursteine.

 

Wenn wir das so gestalten, stellen sich wie von selbst Insekten, Vögel und andere Tiere ein. Ein naturnaher Garten sollte, damit sich auch Erfolg und Freude einstellt, sorgfältig geplant und die Aufgaben Schritt für Schritt umgesetzt werden. Es gibt immer etwas neu zu gestalten, umzusetzen oder zu erweitern.

Garten im zeitigen Frühjahr (G. Franke, 23.02.2022, Spielberg)
Garten im zeitigen Frühjahr (G. Franke, 23.02.2022, Spielberg)
Wildbiene auf einer Kamillenblüte (G. Franke)
Wildbiene auf einer Kamillenblüte (G. Franke)
In einen reich gegliederten, naturnahen Garten mit verschiedenen Lebensräumen finden sich viele Tiere ein, wie diese Zauneidechse (G. Franke)
In einen reich gegliederten, naturnahen Garten mit verschiedenen Lebensräumen finden sich viele Tiere ein, wie diese Zauneidechse (G. Franke)
Beim Anlegen von Blühstreifen mit einheimischen Pflanzen finden sich viele Insekten ein, wie diese Honigbiene auf Vergissmeinnicht-Blüten (G. Franke)
Beim Anlegen von Blühstreifen mit einheimischen Pflanzen finden sich viele Insekten ein, wie diese Honigbiene auf Vergissmeinnicht-Blüten (G. Franke)
Grüner Scheinbock-Käfer auf einer Blüte der Kornrade (G. Franke)
Grüner Scheinbock-Käfer auf einer Blüte der Kornrade (G. Franke)
einfach blühende, rankende Ramblerrose am Gartenschuppen (M. Franke, 20.06.2021)
einfach blühende, rankende Ramblerrose am Gartenschuppen (M. Franke, 20.06.2021)
Färber-Hundskamille am Gartenrand (M. Franke, 08.07.2021)
Färber-Hundskamille am Gartenrand (M. Franke, 08.07.2021)
blühender Streifen am Gartenzaun (G. Franke, 25.06.2017)
blühender Streifen am Gartenzaun (G. Franke, 25.06.2017)
Garten im Spätsommer (M. Franke)
Garten im Spätsommer (M. Franke)
blühende Farbtupfen im Garten bereits ab Januar - der Winter-Schneeball (G. Franke, 05.02.2022)
blühende Farbtupfen im Garten bereits ab Januar - der Winter-Schneeball (G. Franke, 05.02.2022)
Gartenhauptweg mit verschiedenen Stein- und Betonplatten sowie Pflastersteinen - breite Fugen und am Rand zur Begrenzung Aststücke (G. Franke, 05.02.2022)
Gartenhauptweg mit verschiedenen Stein- und Betonplatten sowie Pflastersteinen - breite Fugen und am Rand zur Begrenzung Aststücke (G. Franke, 05.02.2022)
Hügelbeet mit einer Einfassung aus Stöcken und Haselruten (G. Franke, 05.02.2022)
Hügelbeet mit einer Einfassung aus Stöcken und Haselruten (G. Franke, 05.02.2022)

Was muss ich grundsätzlich bei der Gestaltung des Gartens und Auswahl von Bäumen, Sträuchern und Stauden beachten?

 

 

In den Gemeinden Karlsbad und Waldbronn haben wir hauptsächlich schwere, leicht saure Lehmböden. Nur in den Randbereichen hin zum südlichen Kraichgau und zur Rheinebene finden wir auch kalkreiche Böden. Es ist auch bedeutsam, ob ich etwas vollsonnig, halbschattig oder schattig pflanze und natürlich spielt gerade in Zeiten des Klimawandels auch der Feuchtigkeitsbedarf eine große Rolle. Pflanzen kann man so auswählen, dass es vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst, ja selbst in milden Wintern blüht. An milden Wintertagen kann man z.B. auf Gänseblümchen-Blüten auf der Gartenwiese Hain-Schwebfliegen beobachten. Auf Nieswurz-Blüten findet man in dieser Zeit z.B. Honigbienen. An Stellen, die im Sommer wegen des Blattwerks im Schatten liegen, im zeitigen Frühjahr aber besonnt werden, sollte man Frühblüher pflanzen, wie Schneeglöckchen, Winterlinge, Krokusse, Anemonen, Lungenkraut oder früh blühende, niedrige Schwertlilien. Besonders spät im Jahr (Oktober und November) blüht der Efeu, eine vielbesuchte Nektar- und Pollenquelle für Insekten. Die Efeu-Seidenbiene hat sich auf diese Blüten spezialisiert und sie benötigt den Pollen dieser Art als Nahrung für ihre Larven.

Gänseblümchen bei mildem Wetter das gesamte Jahr über und bieten Nahrung für zeitig fliegende Insekten (G. Franke, 09.02.2022)
Gänseblümchen bei mildem Wetter das gesamte Jahr über und bieten Nahrung für zeitig fliegende Insekten (G. Franke, 09.02.2022)
Mistbiene, weiblich, eine Schwebfliege, Mitte Februar auf einer Gänseblümchenblüte (G. Franke, 09.02.2022)
Mistbiene, weiblich, eine Schwebfliege, Mitte Februar auf einer Gänseblümchenblüte (G. Franke, 09.02.2022)
Hain-Schwebfliege (G. Franke, 09.02.2022)
Hain-Schwebfliege (G. Franke, 09.02.2022)
Vorfrühlings-Alpenveilchen - Cyclamen coum; blühend im Garten; bei uns als Zierpflanze, heimisch vom Schwarzen Meer bis ins nördliche Israel (G. Franke, Spielberg, 08.02.2022)
Vorfrühlings-Alpenveilchen - Cyclamen coum; blühend im Garten; bei uns als Zierpflanze, heimisch vom Schwarzen Meer bis ins nördliche Israel (G. Franke, Spielberg, 08.02.2022)

Auch wenn das Vorfrühlings-Alpenveilchen keine heimische Pflanze ist, so bringt sie doch Farbtupfer in den Garten in dieser Jahreszeit - die richtige Mischung macht es. 

Winterlinge - Eranthis hyemalis; im Garten (G. Franke, 06.03.2019)
Winterlinge - Eranthis hyemalis; im Garten (G. Franke, 06.03.2019)
Kleiner Permutterfalter auf Sommerflieder (G. Franke)
Kleiner Permutterfalter auf Sommerflieder (G. Franke)
Sonnenblumen sind nicht nur ein schöner Anblick, sondern sind auch Anziehungspunkt für viele Vogelarten, besonders die Distelfinken (Stieglitze) (G. Franke,  05.09.2019)
Sonnenblumen sind nicht nur ein schöner Anblick, sondern sind auch Anziehungspunkt für viele Vogelarten, besonders die Distelfinken (Stieglitze) (G. Franke, 05.09.2019)
einfach blühende Rosen sind nicht nur schön anzusehen, sondern eine beliebte Nektar- und Pollenquelle für Insekten (G. Franke)
einfach blühende Rosen sind nicht nur schön anzusehen, sondern eine beliebte Nektar- und Pollenquelle für Insekten (G. Franke)

Was für Bäume und Sträucher für den Randbereich können empfohlen werden?

 

 

Eine abwechslungsreiche Bepflanzung, blütenreich und mit vielen Beeren ist hier besonders zu empfehlen, um Nahrung für Insekten und Vögel zu bieten. Ausreichend Sonne sollte geboten werden. Empfohlen werden kann z.B.  Holunder, Eberesche, Felsenbirne, Kornelkirsche, Schneeball, Hasel und Weiden. Davor und dazwischen kann man Sträucher pflanzen, wie Brombeeren, Himbeeren, Wildrosen, Johannisbeeren und Sommerflieder. An einigen Bäumen und Schuppen kann man Efeu ranken lassen (späte Blütennahrung für Insekten). In den Randbereich passen auch höher wachsende Disteln, wie die Wilde Karde oder die Gemeine Kratzdistel sowie Acker-Kratzdistel (Insektennahrung durch die Blüten und Samen für die Vögel, wie z.B. die Distelfinken). Bei der Saumbepflanzung mit Bäumen und Sträuchern darf man die örtlichen Verordnungen für die Grenzbepflanzung nicht vergessen.

Weidenkätzchen kurz vor der Blüte - u.a. die erste Bienennahrung (G. Franke, 08.02.2022)
Weidenkätzchen kurz vor der Blüte - u.a. die erste Bienennahrung (G. Franke, 08.02.2022)
Dunkle Erdhummel auf den Blüten der Wilden Karde am Gartenrand
Dunkle Erdhummel auf den Blüten der Wilden Karde am Gartenrand
Honigbiene auf der bereits im Februar blühenden Mahonie (G. Franke, 09.02.2022)
Honigbiene auf der bereits im Februar blühenden Mahonie (G. Franke, 09.02.2022)

Wie gehe ich mit Unkraut und mit Schadinsekten um?

 

Durch das Pflanzen von robusten, heimischen und standortgerechten Bäumen, Sträuchern und Stauden verringert man die Anfälligkeit gegen Schädlinge. Wenn man keine Chemie einsetzt, stellen sich viele Nützlinge ein, die Schädlinge vertilgen – z.B. Larven des Marienkäfers und von Schwebfliegen sowie Raupenfliegen, Raubfliegen usw. Einzelexemplare von „Schädlingen“ stellen keine Gefahr dar, da es im Naturgarten auch keine Monokulturen gibt. Sie sind Nahrungsgrundlage für andere Tiere und bereichern das Artenspektrum. In einem naturnahen Garten gibt es kein Unkraut, sondern an einigen Stellen dort nicht gewollte „Beikräuter“. Durch das Hacken und Jäten werden diese beseitigt und kommen auf den Kompost.

Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist gern gesehen im Garten und ein Helfer bei der Schädlingsbekämpfung - die Larven ernähren  sich von Blatt- und Schildläusen (G. Franke, Spielberg 06.04.2019)
Der Siebenpunkt-Marienkäfer ist gern gesehen im Garten und ein Helfer bei der Schädlingsbekämpfung - die Larven ernähren sich von Blatt- und Schildläusen (G. Franke, Spielberg 06.04.2019)

 

Wie richte ich eine Blühfläche oder bunte Magerwiese ein?

 

1.    Fläche umbrechen und Gras und Kräuter entfernen mit Wurzel

2.    Bei nährstoffreicher Erde mit Sand abmagern (je nach Nährstoffgehalt)

3.    Fläche ruhen lassen bis Mitte März (je nach Witterung und Temperatur) – Rest der noch vorhandenen Pflanzen entfernen

4.    Samen mit Sand mischen (damit kann man das Saatgut gleichmäßig ausbringen) und auf die Fläche bringen

5.    Bodenschluss herstellen (z.B. mit einer Walze oder auch nur festtreten)

6.    Wässern (je nach Witterung ist regelmäßig zu gießen, damit der Boden nicht austrocknet)

7.    Wenn die Keimung erfolgte und die Pflanzen zu wachsen beginnen, muss nur noch bei extremer Trockenheit gegossen werden.

8.    Wenn die Pflanzen abgeblüht sind, sollte man sie stehen lassen, damit sie aussamen können, Samen als Nahrung für Tiere dienen und Insekten einen Unterschlupf für den Winter bieten. Die Fläche abräumen kann man dann im zeitigen Frühling und die Pflanzenreste auf den Kompost bringen.

 

 

Blühstreifen am Gartenrand, in dem es summt und brummt (G. Franke, Juli 2019)
Blühstreifen am Gartenrand, in dem es summt und brummt (G. Franke, Juli 2019)

Welches Saatgut nehme ich?

 

Garten- und Baumärkte bieten vielfältiges Saatgut an. Blühflächen und Magerwiesen sollten voll besonnt werden. Die Hände sollte man lassen von Saatgut mit vielen exotischen und nicht heimischen Arten, da die Gefahr besteht, dass die Pflanzen teilweise nicht richtig gedeihen und zum Teil keinen Nutzen für die heimischen Insekten darstellen. Besonders gefüllt blühende Pflanzen stellen als Nektarquelle wenig Nutzen dar. Viele Insektenarten haben sich auf bestimmte Pflanzenfamilien, Gattungen oder gar Arten spezialisiert. Besonders sinnvoll ist Saatgut heimischer, ein- und mehrjähriger Pflanzen. Natürlich kann ich auch herkömmliches Saatgut aus Gartenmärkten, wie die Sorte „Mössinger Sommer“ verwenden, habe es auch schön bunt, ziehe aber nicht so viele Insektenarten an und muss nach ein oder nach zwei Jahren neu ansäen.

Der NABU hat eine Liste von Bezugsquellen zusammengestellt –

https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/trends-service/empfehlungen/00592.html

 

Welche Bedeutung haben Steinhaufen und Reisighaufen sowie Totholz generell?

 

Steinhaufen und Reisighaufen bieten Unterschlupf für viele Tiere sowie Orte für die Entwicklung und Überwinterung.

Steinhaufen speichern Wärme und sind besonders für wechselwarme Tierarten wichtig. Hier finden wir Blindschleichen, verschiedene Schlangen, Spinnen, Weinbergschnecken, Eidechsen, Käfer, Spinnenarten, Spitzmäuse, evtl. auch den Hermelin, Schmetterlinge, wie den wärmeliebenden Mauerfuchs und andere Insekten. Sie bereichern das Artenspektrum im Garten und sind wichtiger Bestandteil der Nahrungskette. Besonders geeignet sind abgerundete Natursteine, wie man sie auf Feldern, in Gärten und in Kieswerken findet. Der Steinhaufen ist so anzulegen, dass der untere Teil nicht unter Wasser gesetzt werden kann und genügend Hohlräume vorhanden sind.

Reisighaufen und Totholz generell bieten Unterschlupf, Überwinterungsmöglichkeiten und sind Orte der Entwicklung. Im Totholz alter Bäume sowie in Baumstubben entwickeln sich z.B. die Larven verschiedener seltener Käfer, Wildbienen und Schwebfliegen. Totholz ist Lebensgrundlage von 1400 heimischen Käferarten, von 500 Fliegen- und Mückenarten und von 130 Gehäuseschneckenarten. Totholz ist Nistplatz für eine Vielzahl von Wildbienen- und Wespenarten und bietet Verstecke für Amphibien und Reptilien sowie für den Igel. Stehendes Totholz ist auch ein Quartier für Fledermäuse. Totholz kann im naturnahen Garten vielfältig eingesetzt werden, wie z.B. als Beetbegrenzung und als Reisighecke, Teichbegrenzung und Reisighaufen. Alte, abgestorbene Bäume sollte man stehen lassen. Sie sind wertvoller Lebensraum und Nährstoffspeicher.

 

 

ein alter Totholzstamm ist ein wertvoller Bestandteil im Garten - Entwicklungsraum und Unterschlupf für zahlreiche Insektenarten, Lebensraum von Pilzen und Flechten (G. Franke, 05.02.2022)
ein alter Totholzstamm ist ein wertvoller Bestandteil im Garten - Entwicklungsraum und Unterschlupf für zahlreiche Insektenarten, Lebensraum von Pilzen und Flechten (G. Franke, 05.02.2022)
Eine Ecke mit Totholz und Natursteinen (G. Franke, 05.02.2022)
Eine Ecke mit Totholz und Natursteinen (G. Franke, 05.02.2022)
ein Stück Gartenzaun, hergestellt aus Holzpflöcken und Haselruten (G. Franke, 05.02.2022)
ein Stück Gartenzaun, hergestellt aus Holzpflöcken und Haselruten (G. Franke, 05.02.2022)

Welche Bedeutung hat ein Teich im Garten und wie legt man ihn an?

 

 

„Ein naturnah bepflanzter Gartenteich ist eine stimmungsvolle Oase der Ruhe, lädt aber gleichzeitig auch zum Beobachten und Entdecken ein (Mein schöner Garten).“ Hier entwickelt sich Leben (Libellenlarven, Froschleich, Molche …) und hier finden besonders im Sommer Tiere ausreichend Flüssigkeit. Der seichte Randbereich ist besonders beliebt bei Vögeln. Im Sommer sehen wir verschiedene Libellen und Schwebfliegen, wie z.B. die Sumpf-Schwebfliege. Ein Teich im naturnahen Garten hat verschiedene Tiefen und eine vielfältige Bepflanzung besonders im Uferbereich (Sumpf-Dotterblume, Hechtkraut, Schwanenblume, Pfennigkraut, Seggen, Binsen, Sumpf-Vergissmeinnicht, Wollgras, Sumpf-Schwertlilie und Fieberklee). Weiter zur Teichmitte hin empfiehlt sich die Krebsschere und Tannenwedel und im tieferen Bereich dann Seerosen. Als erstes wird die Grube mit den verschiedenen Tiefen ausgehoben und ein Schutzvlies aufgebracht (500 g/ m²). Dann legt man die Teichfolie ein und schneidet überragende Teile ab. Die Folie sollte mindestens1 mm stark und robust sein und soweit über den Rand reichen, dass als Begrenzung auf ihr Steine abgelegt werden können. Empfohlen wird, wenn möglich, die Befüllung mit Regenwasser aus Fässern oder einer Zisterne. Optimal ist ein Gartenteich, der sonnig bis teils halbschattig liegt. Gräser im Uferbereich und Wasserpflanzen sorgen für die Klärung des Wassers durch den Entzug von Nährstoffen. Trotzdem ist darauf zu achten, dass nicht zu viele Nährstoffe, z.B. durch fallende Blätter im Herbst eingetragen werden (Abfischen mit einem Köcher). Auch kleine Teiche oder Wasserstellen erfüllen ihren Zweck und wer keinen Platz hat oder keinen Teich möchte, dem sei eine Vogeltränke empfohlen. Vogeltränken müssen regelmäßig gesäubert und mit frischem Wasser befüllt werden.

Sumpf-Dotterblumen im Gartenteich - ein wichtiger Bestandteil des naturnahen Gartens  (G. Franke, 09.04.2019)
Sumpf-Dotterblumen im Gartenteich - ein wichtiger Bestandteil des naturnahen Gartens (G. Franke, 09.04.2019)
Seerosen im Gartenteich (G. Franke)
Seerosen im Gartenteich (G. Franke)

Welche Nistkästen in welcher Zahl bringe ich wo im Garten an?

 

 

Die Anzahl der Nistkästen kann man nach seinen Wünschen wählen. Man sollte dabei aber schon darauf achten, dass auch das Nahrungsangebot an Beeren, Früchen und Insekten entsprechend groß ist. Die Nistkästen sollten in einer Höhe zwischen 2,5 – 3 m angebracht werden und schwer erreichbar für Katzen sein. Das Einflugloch ist nach Süden oder Südosten auszurichten. Man kann Nistkästen mit verschieden großen Einfluglöchern wählen für kleine und größere Meisen, für Kleiber, Rotkehlchen und Rotschwänzchen. Die Nistkästen für Stare sind die größten. Beziehen kann man die Nistkästen z.B. im Internet im NABU-Shop. Bei der Nistkastenanbringung gilt es auch zu beachten, dass eine jährliche Nistkastenreinigung im Herbst nicht zu kompliziert wird und vielleicht mit einem Sturz endet.

Wie sehen Nisthilfen für Insekten aus?

 

Fertige Nisthilfen für Insekten, die auch in Gartenzentren angeboten werden, sind zwar schön anzusehen, sind aber meist teuer und sind oft auch mit Materialien bestückt, die für den Zweck nicht sinnvoll sind (z.B. Tannzapfen). Besser ist es ein eigenes „Insektenhotel“ herzustellen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten, was die Machart, die Größe und die Befüllung angeht. Als Beispiel kann man eine Holzkiste nehmen oder mehrere zusammenbringen, aus Brettern ein Dach und eine Rückwand erstellen und dann mit der Befüllung beginnen. Eine weitere Möglichkeit ist das Übereinanderstapeln von Palletten, Dach und Rückwand anzubringen und ebenfalls zu befüllen. Als Füllmaterial können die verschiedensten Materialien dienen, wie Lehmstücke, Bambusstücke, Stücke von Japan-Flügelknöterich und stärkere Hartholz-Aststücke (Eiche, Buche, Obstbäume), die quer zur Faser angebohrt werden mit Löchern im Durchmesser von ca. 4 – 10 mm. Auch das Einbringen einiger bereits morscher Altholzstücke ist sinnvoll. Es ist interessant zu beobachten, welche Insekten sich da alles einfinden. Die Einflugrichtung des Insektenhotels sollte nach Süden zeigen.

 

 

Wo finde ich weitergehende Detail-Informationen und Hinweise zur Gestaltung eines naturnahen Gartens?

 

Literatur:  als Beispiel ein sehr gelungenes und informatives Buch, reich bebildert „Der Naturgarten“ Planen, Gestalten, Pflege – Text: Alexandra Rigos und Fotos: Jürgen Becker und Marianne Majerus; Becker Joes Volk Verlag (www.bjvv.de), 1. Auflage September 2013

 

„Hecke, Gartenweg und Blumenwiese – Lebensräume im Naturgarten passend bepflanzen“, Bruno P. Kremer, Haupt Verlag Bern, www.haupt.ch, 296 Seiten, reich mit Fotos versehen, verschiedene Lebensräume im Naturgarten werden vorgestellt, Tipps zur Einrichtung und Pflege gegeben und die passenden Pflanzenarten für die Standorte vorgestellt.

 

Informationsbroschüren im NABU-Shop

 

Informationen auf der NABU-Seite (www.nabu.de): https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/tiere/ - so fühlen sich Tiere in unseren Gärten wohl

 

Informationen vom NABU-Landesverband Baden-Württemberg – „Naturgarten – Holen Sie die Natur in den Garten“: https://baden-wuerttemberg.nabu.de/umwelt-und-leben/umweltbewusst-leben/naturgarten/index.html und zur Anlage eines Gartenteiches - https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/grundlagen/elemente/00591.html

 

 

NABU-Blühfläche

In Absprache und mit Unterstützung der Familie Jansen, haben wir die Möglichkeit, ab 2019 auf dem Gelände der Baumschule/ Garten-Oase Jansen, Taubenbrunnenwiesen 1, 76307 Karlsbad, eine Blühfläche von ca. 60 m x 20 m zu gestalten. Auch die Kindergruppe der Ortsgruppen von NABU und BUND werden hier mit eingebunden. In diese Fläche integriert werden Elemente des naturnahen Gartens, wie Reisighaufen, Baumstubben und Steinhaufen. Ab Mai 2019 sollen sich die Besucher an dieser Blühfläche erfreuen können und Anregungen für den heimischen Garten erhalten. Mit diesem Projekt wollen wir einen Beitrag leisten, um die heimische Artenvielfalt zu erhalten.

 

 

Das Anlegen der Blühfläche begann mit dem Arbeitseinsatz am 30.03.19, wo Reisig- und Steinhaufen aufgeschichtet und Wurzelstubben platziert wurden. Der Boden wurde vorher umgebrochen. (Fotos: G. Franke)

Anfang April wurde durch die Firma Jansen die Wildblumenmischung und die Rasenansaat für die Wege ausgebracht.

Mittlerweile ist die Blühfläche ab Anfang Juli 2019 schön anzusehen und fast alle Gestaltungselemente sind platziert. Wir freuen uns, wenn wir Sie begrüßen können und geben kurzfristig Termine bekannt, wann wir Ihnen an der Fläche beratend zur Verfügung stehen. 

NABU-Blühfläche - Stand 30.07.2019
NABU-Blühfläche - Stand 30.07.2019
Kräuterfläche - Stand 30.07.2019 (G. Franke)
Kräuterfläche - Stand 30.07.2019 (G. Franke)
Blühfläche - Stand 25.09.2019 (G. Franke)
Blühfläche - Stand 25.09.2019 (G. Franke)
Herbstansicht der Blühfläche (G. Franke, 16.10.2019)
Herbstansicht der Blühfläche (G. Franke, 16.10.2019)

Machen Sie uns stark

Naturschutzjugend